So, heute hat es zum ersten Mal hier so richtig geregnet. Mit “so richtig” assoziiere ich Zustände, wie sie teilweise in der Schweiz herrschen (zur Veranschaulichung: Wenn ich auf dem Weg vom Parkhaus zur Schule, was circa 50 Meter ausmacht, “pflutschnass” werde, dann regnet es “so richtig). Als ob dies noch nicht genug des Guten wäre, hat es auch noch gestürmt wie die Hölle. Dies wiederum hat dazu geführt, dass meine Gastfamilie um eine Palme im Garten ärmer geworden ist (das Teil hat es ganz einfach so weggeblasen, schwubsdiwubs). Der Kommentar darauf war so simpel wie der ganze Schwubsdiwubs-Umkrach-Vorgang selbst: “Ah, we don’t care. They grow extremely fast so we’ll have another one approximately next summer.”
Der Unterschied zur Schweiz in Sachen “Regen” besteht jedoch im Wesentlichen darin, wie die Leute damit umzugehen wissen. Ich wage zu behaupten, dass die Leute hier keinen Schimmer davon haben, wie man Naturgewalten dieses Ausmasses gegenüberzutreten hat. Das kann man ihnen aber, in Anbetracht der Tatsache, dass es hier sozusagen nie regnet, auch nicht wirklich übel nehmen. In Bezug auf die Strassenverhältnisse wirkt sich dies dann in etwa folgendermassen aus:
- San Diegos Strassen sind definitiv nicht für Regenfälle dieses Ausmasses gebaut: Abwassersysteme auf der Strasse scheinen hier ein Fremdwort zu sein. Das macht sich vorallem dann bemerkbar, wenn du mit 60 MPH auf dem Freeway in eine Wasserlache bretterst; herrliche Wasserfontänen sind die Folge.
- Fortsetzung, beziehungsweise weitere Ausführungen zu Punkt 1: Bilder von überschwemmten Strassen infolge tagelanger Regenfälle kennt wohl jeder. Die Amis hier kriegen das innert einem halben Tag hin! No kiddin’! Irgendwie muss hier jemand die Erfindung der Gullis verschlafen haben.. Aufgrund dieser bestürzenden Tatsache verwandeln sich die Strassen plötzlich in grosse Bäche, welche all das Wasser weiss Gott wohin leiten. Irgendwo hier muss sich ein riesiger See gebildet haben, anders kann ich mir das alles nicht erklären.
- San Diegos Autofahrer kennen das Phänomen “Regen” nicht: Wie zur Hölle kann man bei Sichtverhältnissen, welche es einem gerade noch so knapp ermöglichen, das Fahrzeug direkt vor einem wahrzunehmen, ohne Licht fahren? Obwohl.. “Fahren” ist übertrieben. Schleichen trifft wohl eher zu. Mühsam schleichen..
Wie der geübte Leser sicherlich mit Leichtigkeit aus obigen Zeilen herauslesen kann, habe ich mich heute sichtlich genervt. Der Hauptgrund für meine doch etwas durchzogene Laune war letzten Endes jedoch ich selbst.. Hätte ich doch nur schon einen verdammten Schirm mitgenommen! Sommerjacke und Pullover alleine reichen ganz einfach nicht aus. Meine Erkältung wird es mir danken.
Das lustige an der ganzen Sache war jedoch, dass wir europäischen “Regen-Hasser” eine Minderheit an meiner Schule bildeten. Die Araber, Chinesen (warum auch immer die Chinesen…) und die meisten Einheimischen waren ganz aus dem Häuschen und meinten, das wäre wettertechnisch der beste Tag seit sie hier seien. Verrücktes Volk das…
Falls sich der Petrus meinen Blog gelegentlich zu Gemüte führen sollte: Sofort aufhören! Jawohl! Es reicht!